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Verlagsporträt der Edition Reuss aus dem renomierten, deutschen Foto-Magazin PROFIFOTO


Vision und Wagnis Foto Kunst

Die Titel des Programms sind unverwechselbare Kreationen aus dem Bauch des Verlegers Matthias Reuss - innovativ, instinktsicher, mitunter provokant, konsequent ästhetisch und makellos gefertigt. Die bloße Existenz dieses Münchner Verlags, der seit 1996 weltweit mit stetig wachsendem Erfolg außergewöhnliche Fotokunstprojekte realisiert, kann fast als Wunder für deutsche Verhältnisse gelten. Ein Wunder, das die Visionen der Persönlichkeit Matthias Reuss in bemerkenswerten, bislang nie gesehenen Bildern sichtbar macht und seltenen Mut zum künstlerischen Wagnis beweist.

Die "Edition Reuss" startete auf der Frankfurter Buchmesse 1996 mit "Bodyvision" ihren verlegerischen Alleingang - mit Erfolg, landesweit und international lobte die Kritik das Werk.
Matthias Reuss ist wohl der einzige Fotokunstverleger der Branche, der alle Titel selbst gestaltet und seinem Programm damit klare unverwechselbare und persönliche Konturen verleiht. Kennzeichnendes Leitmotiv seiner Arbeit ist die Aussage: "Ich bin ein abenteuerlustiger, neugieriger Mensch." Matthias Reuss ist Fotoscout, Verleger, Gestalter und Produzent in einer Person: "Meine Bücher sind Ich. Ich bin meine Bücher."

Schwerpunkte der "Edition Reuss" sind unzweifelhaft klassische Aktfotografie und erotische Sujets. Mut zum künstlerischen Risiko und das Wagnis einer außergewöhnlichen thematischen Perspektive belegen etwa die Bände "Schwanger" (1998), "Family Nudes" (2001) und eine aktuelle Portrait-Monographie des Fotografen Ralf Mohr, eine Trilogie postmoderner humaner Ikonographie: Hier posieren schwangere Frauen, Väter mit Ihren Kindern und junge Erwachsene in ungezwungener körperlicher Selbstverständlichkeit.

Ganz anders zeigt hingegen der von Reuss entdeckte lettische Fotograf Ralf Vulis seine Modelle: nackt, direkt, frech, schamlos. Bereits 1997 erschien "Crazy Sexy Girls" und avancierte in kürzester Zeit zum Bestseller. Fünf Auflagen machen dieses Werk heute zum Dauerbrenner. Spätestens seit "100 naked Girls on a Chair" (2001), ein documentareifes serielles Gesamtkunstwerk der zeitgenössischen Fotografie, genießt Vulis internationalen Kultstatus. Seine einfach auf einem Stuhl sitzenden nackten Mädchen schafften es sogar in die angesehene GEO-Top-Ten der Bildbände.

Matthias Reuss gelingt es immer wieder, ungewöhnliche und ambivalente Themen zu finden. Hierzu gehören etwa "Shaven Angels" (1999, 2000, 2002) oder "Sexy Sports" (2000), Titel mit Markenimage und großer Nachfrage. Auch bei der Auswahl der Autoren beweist Reuss seinen Spürsinn für unbekannte Talente. Dies gilt etwa für Carlos Batts aus Los Angeles, dessen rüde Bildsprache bemerkenswerte Schlaglichter auf die Verunsicherung einer realitätsfernen amerikanischen Glitzerwelt wirft ("Wild Skin", 2001, "Crazy Sexy Hollywood", 2003). Schlicht atemberaubend sind die Fotos von Mark Yasenchak aus Florida, ein Experte für Unterwasseraufnahmen mit Kunstdiplom. "Underwater Love" (2003) ist ohne Vorbild in der Fotokunst und von bestechender Schönheit.

Die Faszination, die von Darstellungen des menschlichen Körpers ausgeht, ist so alt wie die Menschheit selbst. Etwas jünger ist die Neigung, phänomenologische Kategorien zu erfinden. Ob Körperdarstellung als Kunst oder Pornographie, Perversion oder Normalität bewertet wird, beeinflusst der gerade gültige Moralkodex einer Gesellschaft und Epoche innerhalb des kulturellen Kontext. Dass mitunter keine kategorischen Bewertungen möglich sind, zeigen Projekte der "Edition Reuss" wie "Conserving" (2000) der Starfotografen Daniel und Geo Fuchs oder "Fetish Theatre" (1999) von Alan Tex. "Conserving" präsentiert wissenschaftliche Präparate von Fisch, Tier und Mensch im Hexachrom-Überformat. Überwältigend, faszinierend, abstoßend und schockierend - der Betrachter allein wird entscheiden, ob er in diesen Bildern Kunst oder Wissenschaft oder nekrophile Objekte erkennt!

Mut zum Risiko künstlerischen Ausdrucks, das Bekenntnis zur Qualität der Abbildung jenseits großer Namen und großes Innovationspotenzial sichern der "Edition Reuss" einen Platz in der ersten Reihe der deutschen Fotokunstverlage. Das Unternehmen unterscheidet sich in dieser Beziehung sehr deutlich vom üblichen Verlagsgeschäft, das Experimente und neue Bilder in der Regel scheut, sich unbeweglich, konservativ und ängstlich gebärdet. Retrospektive und Repetition sind nicht Sache des Verlegers, im Gegenteil - er zielt geradewegs auf das sinnliche Erlebnis mit dem Medium Buch, und er liebt den Wagemut des Entdeckers. Er gehört wie Chris Paul Emiel Dercon, der neue Teamchef vom Haus der Kunst in München, zur jüngeren Generation von Kunstmachern der Erneuerung. Dercons Bemerkung, "Ich bin sehr interessiert an Amateurkunst", könnte auch von Matthias Reuss stammen.

Matthias Reuss nimmt sich sehr viel Zeit für ihre Produktionen - manche Projekte benötigen Jahre - und er pflegt persönliche Kontakte zu vielen seiner Fotografen. Der Verlag, Künstler, Autoren und das Publikum profitieren von diesem Konzept: Amateurfotografen können zu Stars mit internationaler Fangemeinde aufsteigen. Viele Fotografen der Editon Reuss stellen in Museen und Galerien weltweit aus. Und die Kritik ist gespalten, begeistert oder entsetzt - ein sicheres Zeichen für die Qualität und Originalität der Produktionen, immer überraschend und immer Stoff für kontroverse Meinungsbildung, schwer zu kopieren.
Die bislang mehr als dreißig Titel des Verlagsprogramms sind eine - bewusst inszenierte - Demonstration formal reduzierter Ästhetik, die dem Betrachter maximalen Imaginationsspielraum zugestehen. Fotokunst aus dem Hause Reuss lädt immer wieder zur abenteuerlichen Reise durch unbekannte Bilderwelten im eigenen Kopf ein - Neugier und Interesse, das haben Matthias Reuss und seine Leser gemeinsam. Das Erfolgsrezept der "Edition Reuss" heißt "weniger ist mehr" - und wir würden uns hierzulande "Mehr Edition Reuss" wünschen.

Jan-Hendrik Stevens (ProfiFoto)


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