Conserving

Leben und Tod sind Themen, die von jeher eine unglaubliche Faszination auf den Menschen ausüben.

Die Trilogie "Conserving": "Conserving Fish" – "Conserving Animals" – "Conserving Humans" ist eine sensible Konfrontation mit einem Teil unseres Lebens, der oft verdrängt und tabuisiert wird.

Daniel und Geo Fuchs gehen mit diesem fotografischen Werk Aufsehen erregende neue Wege. Mit brillanter Lichtführung gelingt es ihnen, neues Leben in die bis zu 300 Jahre alten, in Alkohol oder Formalin konservierten Exponate einzuhauchen.

Ihre Bilder bestechen durch atemberaubende Schönheit der Farben und Strukturen oder sind von magischer Ausdruckskraft und erschließen dem Betrachter neue Welten. Sie erinnern an die Mysterien von Hieronymus Bosch und werden gleichsam zu Ikonen, zu fast ehrwürdigen Objekten.

Weltweit erstmalig sind mit dieser künstlerischen Darstellung Fotografien von Exponaten aus naturwissenschaftlichen und anatomischen Sammlungen zu sehen, die bisher der Öffentlichkeit verschlossen blieben.

Daniel und Geo Fuchs gehören zu den Neuentdeckungen der zeitgenössischen Fotografie und sind in den letzten Jahren durch ihre Projekte und Ausstellungen international bekannt geworden. „Conserving" war und ist in zahlreichen internationalen Ausstellungen zu sehen.

Der Bildband "Conserving" wurde in einzigartiger Druckqualität mit dem neuen Hexachrome-(6-Farben) Druckverfahren realisiert. Er besticht durch brillante, bisher unerreichte Farben und extreme Schärfentiefe, die den Eindruck von Dreidimensionalität vermitteln.

Die ästhetische Gestaltung und hochwertige Verarbeitung machen den großformatigen Fotokunstband zu einem visuellen Meisterwerk. Die international bekannten Fotografen Daniel und Geo Fuchs haben mit "Conserving" eine faszinierende Thematik in ein bedeutendes Dokument der zeitgenössischen Fotografie umgesetzt.

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Pressekommentare

Das Ergebnis dieser phantastischen Reise in das Reich der Toten sind Bilder von altmeisterlicher und zeitloser Schönheit, die uns das Wunder des Lebens offenbaren. (MAX, Deutschland)
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Die entstandenen Bilder zeigen eine solche Brillanz, Leuchtkraft und Ausdrucksstärke, das sie den bis zu 300 Jahre alten konservierten Präparaten scheinbar neues Leben einhauchen... Schon im ersten Jahr hatten Daniel & Geo Fuchs mit ihren Bildern in ganz Europa und Nordamerika große Erfolge. (COLOR FOTO, Deutchland)
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Der Tod hinter Glas - er ist von faszinierender Schönheit. (STERN, Deutschland)
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Seit 1750 überdauerte das Präparat unbeschadet, aber auch völlig unbeachtet von der Öffentlichkeit im Glasbehälter. Erst indem die Künstler Geo und Daniel Fuchs den kleinen Leichnam im anatomischen Institut entdeckten, fotografierten und in internationalen Kunstausstellungen zeigten, machten sie ihn für ein Millionenpublikum sichtbar. (FOCUS, Deutschland)
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Das wunderschöne Leben nach dem Tod. Die Fotos sind schaurig und faszinierend zugleich. (Die Welt, Deutschland)
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Und wenn sich auch Fotografen in den achtziger Jahren schon mit dem Faszinosum Tod beschäftigt haben, von Joel-Peter Witkin über Rudolf Schäfer bis zuletzt Andres Serrano, so ist das Werk von Daniel & Geo Fuchs doch anders. Nicht nur, weil weitaus umfassender. Sie schaffen, ob bei ihren Tieren oder Menschen, eine gewisse Ästhetik, gerade weil sie an den Exponaten, auch nach der Aufnahme, nichts verändern. Der Respekt gegenüber dem Individuum und dem Tod bleibt gewahrt. (PHOTO TECHNIK INTERNATIONAL, Deutschland)
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Ihre Bilder sind wie Gemälde. Durch Licht scheinen die Objekte zu leuchten und zu schweben. (BERLINER ZEITUNG, Deutschland)
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Überall empfing sie der eingelegte Tod, eine chemisch fixierte Menagerie, verfüllt in gläserne Särge. Eben weil sie so gut sind, schockieren die Fotos. (SPIEGEL KULTUR, Deutschland)
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Obgleich alles, was wir sehen, bereits tot ist, schaffen es die beiden Autoren dieser Tatsache zu trotzen und die konservierten Körper durch das intuitiv gesetzte Licht noch einmal scheinbar zu beleben... Und es ist auch jenes, fast schon magisch wirkende Licht, das diese Arbeit so sehenswert macht... Es macht Sinn sich nicht nur das Buch, sondern auch die Ausstellung anzuschauen. Hat man im Buch die Möglichkeit, sich immer wieder in den Bann dieser phantastischen Reise ziehen zu lassen, beeindrucken die in der Ausstellung gezeigten Originale durch ihre unübersehbare Präsenz. (PHOTONEWS, Deutschland)
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Die ästhetische Gestaltung und aufwendige Verarbeitung machen den großformatigen Fotokunstband zu einem visuellen Meisterwerk. (STYLE, Deutschland)
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Auf bizarre Art und Weise stellen die Bilder eine Huldigung an die Schönheit und das Wunder des lebens dar. Ein visuelles Meisterwerk. (LEICA FOTOGRAFIE, Deutschland)
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Poesie des Vergänglichen im Bild fixiert. Daniel und Geo Fuchs haben sich der sensiblen Auseinandersetzung zwischen Leben und Tod gewidmet. Seit dieses Frühjahr der Conserving-Bildband in der Münchner Edition Reuss erschienen ist, jetten die beiden um die halbe Welt, um Teile ihres Conserving-Projektes in Ausstellungen zu zeigen. (BASELER ZEITUNG, Schweiz)
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Etwas Friedvolles geht von diesen Fotografien aus. Manchmal sogar ein extreme Zartheit. Dann wieder eine unaussprechliche Morbidität. (LE FIGARO, Frankreich)
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Faszinierende Blicke auf den Tod. Der Tod, ein Thema, das erschreckt, über das man nicht gerne spricht. Und doch: Der Schock bleibt aus. So ästhetisch sind die Fotografien, ja friedlich wirken die über hunderte von Jahren perfekt erhaltenen menschlichen Körper. Von ihrer Würde haben sie nichts verloren. (HAMBURGER MORGENPOST, Deutschland)
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Totenkult in Formalin: Daniel und Geo Fuchs haben atemberaubende Fotos von Menschen und Tieren gemacht... Auffällig sind immer wieder die Farben. Solche Pastelltöne kriegt von Hagens mit seinen Plastiktoten nicht hin. Aber dieses Gelb und dieses Grün, reine Hieronymus-Bosch-Farben. Also doch Nachrichten aus dem Reich der Unerlösten. (DER TAGESSPIEGEL, Deutschland)
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Einige Leichen erscheinen so friedlich, als würden sie schlafen. Ästhetische Fotos. Dennoch: lange hält man's nicht aus. Oder man fängt an nachzudenken über sich und den eigenen Tod. (BILD, Deutschland)
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Auch wenn die silbrigen Augen nur gebrochen starren, die Kamera befreit die in Glas und Tod doppelt gefangenen Tiere zu plastischen Leben, indem sie Behälter und Flüssigkeit nahezu unsichtbar macht. (TAZ, Deutschland)
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Das Ergebnis ist verblüffend: die fotografierten Körper schweben schwerelos, wie außerhalb von Zeit und Raum. (SCHWEIZER SONNTAGSZEITUNG, Schweiz)

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Vorwort 1 dieses Buches

CONSERVING — zu dem Zyklus von Daniel und Geo Fuchs

Die Bilder dünken die gelungensten, in denen das absolut Gleichzeitige wie ein Zeitverlauf scheint, der den Atem anhält.
ADORNO

Ein roter Dämon grinst hinter einer unsichtbaren Grenze aus Glas; ein träumendes Kind, das nie geboren wurde, fast lächelnd, als störe die Zeit
nicht den Schlaf der Vergänglichkeit; ein Kampffisch, früher, nun schon hinter seinem transparenten letzten Gang. Bärentatzen, die sich aneinander pressen, um sich der verlorenen Wärme zu versichern. Ein Mädchengesicht, drapierte Spitze, die umhüllt. Ein Gesicht vor dreihundert Jahren, in die Zeitlosigkeit gebannt. „Und unsere Gesichter, mein Herz, vergänglich wie Fotos.“ (1)

Arbeiten von Daniel und Geo Fuchs. Fotografien. Auch (Ab-)Bilder gefundener Exponate in naturhistorischen Sammlungen. Fisch, Tier, Mensch. Konservierte Fische, Tiere, Menschen. Mehr als das: Das künstlerische Arbeiten in dieser Form wird zur Dokumentation beginnender Freundschaft zwischen Dargestelltem und Darstellendem. Auseinandersetzung, Reibung. Grenzüberschreitung. Kann Tod überwunden werden? Wo beginnt Würde, wo die Pflicht des Künstlers, sie zu verletzen, ohne sie zu zerstören? Die Bilder haben Daniel und Geo Fuchs zuerst zugelassen. Über die gewahrte Mauer zwischen Aus- und Eingeschlossenen hinweg haben sowohl die Bilder sie gefunden als auch sie die Bilder.

Ein Weg von Jahren. Ängste, Veränderungen. Wer sich in die dunkleren Gefilde begibt, findet gerade in der „natura morta“ Fragmente der eigenen Vergänglichkeit. Wenn „natura morta“ durch menschlichen Eingriff vor dem endgültigen Verfall bewahrt werden kann, bleibt Hoffnung auch für uns? Wer eine konservierte Hand in seinen Händen hält, um sie für das Motiv in Licht zu tauchen, wird stummer Zeuge einer anderen Dimension. Zeigen. So führt das im bildlichen Sinn sichtbar Gemachte zum Bewusstsein von etwas, das durch unsensibles Vorzeigen verloren ginge. Wie Bedeutung nicht durch den Zusatz von Sichtbarem, sondern durch dessen Entzug entsteht.

Natürlich auch: Bilder einer Ausstellung. „Conserving Fish“. Die Fotobilder an den Wänden. Die Exponate, Vorläufer und gefundenes Motiv zugleich, als Leihgaben. Fischkörper in der schützenden Hülle des Glases, in Flüssigkeit konserviert, fundiert analysiert, wissenschaftlich präpariert. Sie zeichnen für den Beginn der Auseinandersetzung der beiden Künstler. Ein kleines Mädchen, das vergleicht, begreift, erfährt und plötzlich sieht. Der Fisch in dem Glas ist seit hundert Jahren tot, auf der Fotografie lebt er. Wo beginnt das Danach? Vor der Entstehung? Das Staunen, die Gabe, etwas zum ersten Mal zu sehen ... das Auge des Kindes hat mit der Seele gesehen.

Die Frage des Sehens. Wir. Beobachtete Betrachter. Der von Licht durchdrungene Kopf, die Hand, die bloße Hand, die feine Führung der Linie eines ungeborenen Profils. Der Schlaf ruht tief in diesem friedlichen Gesicht. Dort, unter der Nasenspitze das zarte Grün als Flaum. Und das Abbild, das Bild (ver)birgt eine Geschichte. Vielleicht gibt es ein Erkennen. Nichts ist festgelegt.

In diesen Fotografien, in diesen „Subjekten“, aufgenommen mit und durch die trennende, wenngleich auch transparente Wand, ist Bewegung. Sie erzählen Vergangenheit weiter und gestalten sie neu. Die Geschichten streben in eine Zukunft, nach vorne. Oder besser: Zeit hat sich in ihnen verfangen, und die Bilder von Daniel und Geo Fuchs haben sie zum Stocken gebracht. Und wir, die uns durch Sehen nähern, haben daran teil.

Laut Maurice Blanchot besteht das Wesen des Bildes darin, ganz außen zu sein, ohne Intimität, und dennoch unzugänglicher und rätselhafter als die innere Vorstellung; ohne Bedeutung und doch zugleich eine Herausforderung der Unergründlichkeit jedes möglichen Sinns.

In diesen Bildern ist Herausforderung, die irritiert. Außerhalb ihrer technischen Brillanz, der Leichtigkeit des Lichts, der Unschärfe der unter sich zerfließenden Farben des Hintergrunds liegt eine eigentümliche Schärfe der Wahrnehmung: das Auge des Fisches – von untrüglicher, matter Trübheit. Auf den ersten Blick ein totes Auge. Dann ist plötzlich, je länger der Blick den Gegenstand aus seiner Gegenständlichkeit löst, ihn abstrahiert, Bewegung. Nicht Stillstand des Moments, sondern Stillsein im Jetzt. Das Fühlen liegt manchmal vor dem Wissen, das Ahnen vor der Anwesenheit des Auges. Das Rätsel wehrt sich gegen den Übergriff der Ratio. Dahinter ein – unser? – Geheimnis. Man kann gehen und vergessen wollen. Die Zeit, den Tod, die Geschichte. Es gibt Bilder, die bleiben, weil sie bleiben wollen. Sie haben sich in den Betrachter eingeschlichen.

Den Werken liegt eine merkwürdige Präsenz zu Grunde. Ohne anmaßendes Kalkül, mit dem Wissen der Brisanz des Thematisierten begegnen sie den Dargestellten mit staunendem Respekt, schaffen eine Atmosphäre des Innehaltens, einer wärmenden Ruhe, respektieren Anmut und Würde. Sie rücken die bestehende Grenze nicht um eines Effektes willen weiter und lassen so Entfaltung zu. Bilder können Raum schaffen, einen aufnehmen, Assoziationen wecken. Nichts greift an oder legt fest, wenn es und wir gewahrt bleiben.

Trotzdem Fremdheit. Auch: Einsamkeit. Wer hinter eine Grenze gerät, kennt zwei Wirklichkeiten. Die Zeit, der Tod. Grenzerfahrungen. Auch wenn die Bilder uns nicht fremd sind, sie bleiben fremd – und sie bleiben einsam. Von dem Moment an, da sie ihrer Welt aus Glas entnommen würden, dieser real existierenden Welt ohne Schutz überlassen – sie zersetzten sich, zerfielen. Wir, die darum wissen. Im Gegensatz dazu die Bilder dieser Trilogie, deren jetzige geheimnisvolle Heimat den Tod nicht kennt. Er liegt hinter ihnen, und sie sind neu erfunden.

JANA MARKO

(1) Buchtitel. John Berger. Und unsere Gesichter, mein Herz, vergänglich wie Fotos. Carl Hanser Verlag. München und Wien 1986, S.14

 

Vorwort 2 dieses Buches

Scheintod: CONSERVING — Fotografien von Daniel und Geo Fuchs

In ihren fotografischen Werken betreten Geo und Daniel Fuchs sehr private Welten. Sie nähern sich Situationen, die sie als „Grenzsituationen“ beschreiben – Situationen, denen andere lieber ausweichen; Orten und Gegenständen, die normalerweise vor dem Blick der Öffentlichkeit verborgen sind. Sie dringen in Lagerräume von Museen und wissenschaftlichen Sammlungen ein, in denen Tiere und menschliche Körperteile – konserviert in mit Alkohol oder Formaldehyd gefüllten Glasbehältern – in einem scheinbaren Schwebezustand lagern. Sie setzen sich nicht nur mit dem institutionellen Drang zum Bewahren und Sammeln auseinander, sondern auch mit ihren eigenen Reaktionen auf diese Objekte und das, wofür sie stehen. „Anfang der 90er Jahre erfuhren wir von wissenschaftlichen Sammlungen, in denen Tiere – Fische, Säugetiere und Reptilien – in Alkohol konserviert aufbewahrt werden. Vor allem der Gedanke konservierter Fische, die in ihrem Element – Flüssigkeit – wieder eine Lebendigkeit erlangen müssten, faszinierte. Bereits bei der ersten Besichtigung einer Sammlung eines naturhistorischen Museums erkannten wir, dass sich die Fische im Tod eine bemerkenswerte Lebendigkeit bewahrt hatten, die genau unser Thema – Leben im Tod zu finden – traf ...

Tod und Konservierung sind für uns in dem Sinne verwandt, dass wir die Konservierung als eine andere Form des „Weiterlebens“ betrachten. Manche Exponate sind über 300 Jahre alt.“(1)

Daniel und Geo Fuchs haben ihr Projekt „Conserving“ genannt, ein Titel, der eine doppelte Bedeutung hat. Die Objekte, die sie fotografieren, sind selbst konserviert und bewahrt. Durch den Akt des Fotografierens erschaffen die Künstler eine weitere Ebene der Dokumentation und des Bewahrens. Sie errichten diesen normalerweise verborgenen Objekten eine neue Arena und holen sie in das Umfeld der seriösen Kunst- und Dokumentarfotografie, wo sie sich vom Blick des Wissenschaft-lers stark unterscheiden. „Conserving“ zeigt, dass die Fotografie in der Lage ist, ein neues Publikum für bisher im Verborgenen gehaltene Sujets und Ideen zu schaffen.

In den späten 80er und frühen 90er Jahren begannen sich eine Reihe europäischer und amerikanischer Fotografen intensiv für das Thema Tod zu interessieren. Rudolf Schäfers Porträts von Gesichtern toter Menschen (die 1987 in einer ostdeutschen Leichenhalle entstanden sind) erregten sofort Aufmerksamkeit. Gleiches galt für die eindrucksvolle Serie, die Andres Serrano in den Leichenhäusern von New York City aufgenommen hat. Der englische Farbdokumentarist Nick Waplington, der in den frühen 90er Jahren mit seinen rauen Kommentaren zum Leben zweier Familien in einer Wohnsiedlung in Nottingham von sich reden machte, schuf danach eine Serie nachgestellter Situationen, die sich mit unnatürlichem Tod und Selbstmord auseinander setzen. Die Gründe für dieses neu erwachte Interesse an der Fotografie des Todes bleiben unklar und sind vielleicht auch zu vielfältig, um in eine einzige schlüssige Theorie gefasst zu werden. Seit den 80er Jahren entwickelten Künstler, die mit Fotografie arbeiten, ein großes Interesse an den „objets morte“ und begannen Situationen „aus dem wirklichen Leben“ in einer Weise umzusetzen, die eine stark subjektive und gezielte Sicht der realen Welt widerspiegelte. Die Fotografie des Todes, so wie man ihn in einer Leichenhalle oder im Museum erleben kann, spielte bei dieser neuen Art, Fotografie einzusetzen, eine wichtige Rolle. Die Toten waren Teil unserer Welt und dennoch außerhalb von ihr – dem Künstler/ Fotografen in einer einzigartigen und unnachahmlichen Weise als stille und unbewegliche Objekte zur Verfügung.

Die neue fotografische Auseinandersetzung mit dem Thema Tod stellte eine Herausforderung an den Status quo dar und fügte sich in die postmoderne Methodologie der 80er und 90er Jahre ein. Die Parameter der Fotografie verschoben sich, als die Künstler damit begannen, die Fotografie nicht mehr nur zur Darstellung zu verwenden, sondern die Darstellung selbst zu erforschen. Cindy Sherman konstruierte ein Theater der Verkleidung und Fantasie, mit dem sie Vorstellungen rund um die weibliche Identität erkunden wollte. Martin Parr setzte grelle Farbfotografie ein, um bittere Dokumentationen über das britische Straßenleben zu schaffen, und stellte damit die Idee der klassischen Reportage auf den Kopf. Thomas Ruff ging im Genre der Porträtfotografie Aufsehen erregende neue Wege. Grenzwälle, die die Fotografie umgaben, wurden durchbrochen, und die wachsende Bedeutung der fotografischen Theorie (im Gegensatz zur Geschichte der Fotografie, die man zunehmend als öde und prozessbesessen empfand) machte ein neues Publikum auf die intellektuellen und politischen Dimensionen des fotografischen Bildes aufmerksam. In zunehmendem Maße begannen Künstler, die Fotografie als geeignetes und leicht zugängliches Werkzeug zu benutzen, um Ideen auszudrücken, die sie in den 60er und 70er Jahren wahrscheinlich durch Malerei, Bildhauerei und Illustration vermittelt hätten.

Innerhalb dieses postmodernen Kontextes sind Daniel und Geo Fuchs‘ Werke zu sehen. Sie nehmen sich das Recht, in Bereichen zu arbeiten, die zuvor mit einem Tabu belegt waren. Ihre Arbeit ist weit davon entfernt, dokumentarisch zu sein, sondern ein hoch subjektiver Prozess, der persönliche Geschichte und tiefe Anteilnahme mit einbezieht. Die Welt, so scheinen sie sagen zu wollen, ist dazu da, um betrachtet und studiert zu werden, denn sie bietet sich einer Vielzahl unterschiedlicher Blicke dar. Ihr unablässiger Wunsch ist es, an etwas zu arbeiten, das sie selbst als Grenzerfahrung beschreiben. Ihr persönliches Engagement, mit dem sie sich dem Thema widmen, und ihre Distanzierung von Sensationslüsternheit oder Voyeurismus resultieren in einer äußerst anspruchsvollen und konsequenten Vorgehensweise, die vom Betrachter Aufmerksamkeit und Verständnis verlangt. Die Bilder der „Conserving“-Serie haben durchgehend eine sehr spezielle Ästhetik, die Teile unserer Welt, die man sonst für makaber oder abstoßend halten würde, in faszinierende Objekte verwandelt. Die toten Kreaturen und Menschen, die sie fotografieren, werden zu Ikonen, zu fast ehrwürdigen Objekten – durch die Konservierungsflüssigkeit unsterblich gemacht. Lange tot und doch immer noch Teil unserer heutigen Welt, befinden sie sich in einem seltsamen Schwebezustand zwischen Leben und Tod und haben vielleicht einen mystischen Status erlangt.

„Conserving Fish“ ist vielleicht die durchgeistigtste und abstrakteste der drei „Conserving“-Serien. Das Schwimmen in Flüssigkeit erlaubt den Fischen, einen Zustand einzunehmen, den man als eher natürlich bezeichnen kann. Wir sehen sie durch das Glas wie durch die Fenster eines Aquariums, und nur eine gewisse Trübheit der Farben und ein Mangel an Lebhaftigkeit deuten auf ihren Scheintod hin. Hier und da erhaschen wir einen Blick auf ein Glasgefäß oder ein Identifikationsetikett, der uns zu der Erkenntnis führt, dass es sich hier um eine taxonomische Studie handelt und nicht um die Betrachtung zwar gefangener, aber doch lebender Tiere. Obwohl „Conserving Fish“ die scheinbar am wenigsten „schockierende“ Serie der Trilogie ist, ist sie von ausgesprochener Melancholie geprägt. Schuppen, die glänzen sollten, sind matt und ohne Schimmer, lebhafte Augen sind leblos, flinke Fischschwärme verharren regungslos, von Tod und Zeit für immer zum Erstarren gebracht.

„Conserving Animals“ vermittelt eine ganz andere Erfahrung. Schon auf den ersten Blick erkennen wir, dass dies eine Studie der Sterblichkeit ist. Klauen und Pfoten sind von den Körpern getrennt und treiben in der Konservierungsflüssigkeit. Ausdruckslose Augen starren durch die Flüssigkeit, zu denen wir keinen Blickkontakt aufnehmen können. Manchmal ist da eine Geste, die auf Leben hindeutet, ein Augenreiben, ausgestreckte Arme und Beine, eine Umarmung, aber das sind nur Zufallsgesten, flüchtige Momente einer Lebenskraft, die sich dem Tod widersetzt. Diese Tiere schlafen einen unruhigen Schlaf, in Flüssigkeit verbannt, ihrem natürlich Element entrissen und den Blicken der Neugierigen und Experten ausgesetzt. Sie sind zu Objekten geworden, Gegenständen ohne Selbstgefühl.

Wenn wir unsere eigene Spezies betrachten (in der Serie „Conserving Humans“), wird die Verweigerung der Privatsphäre fühlbar. Gesichter toter Menschen sind nicht ohne Ausdruck oder Persönlichkeit. Ein junger Mann, ein Baby, eine alte Frau, selbst ein Embryo gehörten einmal zu unserem Stamm, hatten Gedanken und Gefühle, fällten Entscheidungen, gingen Beziehungen ein, existierten innerhalb unserer Gesellschaft. Doch hier, wo sie zu Musterexemplaren der Wissenschaft werden, als Museumsobjekte dienen, sind sie von Stammesritualen, den Übergangsriten ausgeschlossen. Wie Goethes „Faust“ sind sie auf groteske Weise unsterblich geworden. „Conserving Humans“ ist der Höhepunkt der „Conserving“-Serie, die uns vom Abstrakten zum Realen führt. „Conserving Humans“ wird unvermeidlich als Studie des Grotesken betrachtet werden, obwohl Daniel und Geo Fuchs wenig Interesse am Grotesken habe. Sie blicken auf die Verstümmelungen, die gespaltenen Schädel, die Skelette, die tätowierte Haut fast wie Zeugen, Berichterstatter der Zeit, in der wir leben. Selbst haben sie über „Conserving Humans“ geschrieben, dass sie die Arbeit an der Serie als große Herausforderung angesehen haben, „denn wir wollten die Menschen so darstellen, dass sie eine Schönheit behalten, dass ein Leben sichtbar bleibt, dass das Wissen über den Tod überwiegt und über den Tod hinaus die Würde der Menschen gewahrt bleibt.“(2)

Die Arbeit an „Conserving“ hat zu einem neuen, weit reichenden fotografischen Projekt zum Thema Tod geführt. Die Künstler haben sich über die wissenschaftlichen Institutionen und Museen hinausgewagt und die seltsame, stille Welt der Sektionsräume betreten, wo nichts ihren Blicken entgeht, vom Leichnam bis hin zu den Schnitt- und Sezierinstrumenten. Hier, wo der menschliche Körper, obwohl immer noch als Individuum erkennbar, zum Objekt geworden ist, seiner Intimsphäre beraubt. Sie beschäftigen sich mit den Spuren, die der Körper zurücklässt, ein Stück Fleisch, ein Haar. Ihr Interesse an diesen Vorgängen hat nichts Morbides, denn wo Neugier sich anschickt, das Groteske und Absurde zu enthüllen, behauptet sich das Künstlerauge. Die Bilder, die wir sehen, sind weder drastisch noch entsetzlich, sondern öffnen sich unserer Vor-stellungskraft und unserem Verstand und einer Vielzahl von Möglichkeiten. „Nach unserer Beschäftigung mit dem Thema Tod in einer mehr abstrakten Form war es für uns ein logischer Schritt, uns mit dem realen Tod zu konfrontieren. Ohne das schützende Glas und die Flüssigkeit werden die Situationen für uns und die daraus resultierenden Bilder viel direkter. Tod und Zerfall des menschlichen Körpers werden etwas sehr Natürliches. Der Körper erscheint nur als eine leere Hülle.“(3) Man spürt, dass ihr Wissensdurst, ihr Verlangen nach Antworten alles verzehrend und tief persönlich geworden ist.

In den drei Serien, aus denen „Conserving“ besteht, bleiben Daniel und Geo Fuchs den Prinzipien treu, die ihr Werk bestimmen. Wenn wir die Fische, Säugetiere und Menschen ansehen, die sie fotografiert haben, fühlen wir ihre innige Verbundenheit mit den Subjekten. Obwohl sie unangenehme Situationen betrachten, spüren wir, dass ihr Blick besorgt, sogar gütig ist. „Der Mensch ist vom Gedanken an den Tod gleichermaßen fasziniert und abgestoßen – dem letzten Geheimnis des Lebens. Da das Wissen um das eigene Sterben immer mit uns lebt, gehen Tod und Leben immer nebeneinander her. Das ist auch unser Ziel – diese beiden Zustände in einem Bild zu vereinen.“(4)

Wir können ihre Verwundbarkeit spüren, das persönliche Risiko, das sie eingegangen sind, als sie beschlossen, ihre künstlerische Laufbahn diesen verborgenen und oft umstrittenen Terrains zu widmen. Sie haben sich selbst zu Antiquaren gemacht, zu Forschern in einem fremden Land, die gewissenhaft unbequeme Wahrheiten aufzeichnen und Fotografien erschaffen, die Diskussionen auslösen, Fragen aufwerfen und wesentlich zu unserem Verständnis der Rolle der Fotografie in der Dokumentation unserer Welt beitragen werden.

VAL WILLIAMS

(1) Zitat aus einem Interview mit den Künstlern 1999
(2) Ibd.
(3) Zitat aus dem Interview mit Francesca Alfano Miglietti für Virus Magazine, Mailand, Italien
(4) Zitat aus einem Interview mit den Künstlern 1999

seitenanfang

conserving - fotobuch - buchumschlag

Fotografien:Daniel u.Geo Fuchs
ISBN 978-3-934020-01-6
Buchformat 24,5 x 31,5 cm
240 Seiten
180 farbige Abbildungen
6-Farben-Druck (Hexachrome)
Text in D, E, F, I
Hardcover m. Fadenheftung
farbiger Schutzumschlag
Preis (für D,A,CH) 99,90 EUR
(inkl. gesetzl. Mwst.)

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